Medien, Online Marketing

baz.ch, tagi.ch und bernerzeitung mit gemeinsamem Newsnetz (und blabla) online

«Basler Zeitung», «Berner Zeitung» und der «Tages-Anzeiger» lancieren ihre Internetportale neu. Unter dem Namen Newsnetz arbeitet eine Mantelredaktion welche den tagi.ch, die baz-online.ch sowie die bernerzeitung.ch mit Online Inhalten versorgt. Darüber hinweg produzieren die jeweiligen Redaktionen aber eigene regionale Inhalte.

Meine Lieblingsthemen im Umfeld „alte Medienhäuser mit neuen Internetportalen“ sind immer noch die selben:

  • Keine oder unvollständige RSS Feeds: Sie haben Angst der Content könnte „geklaut“ werden, obwohl dieser bereits in den Google News abgebildet ist
  • Keine Kommentarfunktion: Sie scheuen den offenen Dialog und / oder den Aufwand für die Moderation der Kommentare
  • Die e-paper Version: Nicht kostenfrei oder nur für Abonnenten oder in nicht benutzerfreundlichem Reader oder gar nicht vorhanden.

Daher habe ich den Launch der neuen Sites mit Argusaugen verfolgt. Heute Morgen zeigt sich die Situation durchzogen:

Ich hab mich ja schon gefreut, als ich den RSS Link gesehen habe. Aber beim Tagi den Bernern zeigen die RSS Links auf die Entwicklungsumgebung, bei der BAZ gibts Error 404 – Seite nicht gefunden. Ihr könnt Euch vorstellen, wie diese Seiten auf dem Mobiltelefon aussehen. Vielleicht wirds ja heute noch etwas.

Bei allen Portalen gibt es keine generelle Kommentarfunktion. Im Artikel zum Start des neuen Portals allerdings kann man Kommentare abgeben. Bis am Mittag waren noch keine Kommentare eingegangen. Da wollte ich die Situation etwas nerdisch ausnutzen und schreibe „Erster!“. Die Meldung:

Ihr Kommentar wurde abgeschickt. Bis er von der Redaktion freigeschaltet wird, kann es gewisse Zeit dauern.

Das wäre DIE Gelegenheit überhaupt liebe Mantelredaktion, die Meinung und die Stimmung der Leserschaft zum neuen Auftritt abzuholen. Ein gutes Beispiel ist der anwährende Dialog auf www.medienlese.com zum Design Relaunch des Blogs. Die Benutzer lieben es, ihre Meinung zu äussern. Eine verpasste Chance für den Dialog. Warum nicht die User fragen??? Dafür hat es eine Umfrage auf der Startseite: „Wieviele Medaillen bringen die Schweizer Athletinnen und Athleten nach Hause?“

Thema e-paper. Es gibt eins. Aber nur für Abonnenten. Thema erledigt.

Bei allen dreien finden sich noch „Test-Leichen“ (Gib mal „Blabla“ in die Volltextsuche ein) – @ugugu hats schon früh bemerkt.

screenshot.baz.blablasuche - 2008-08-08_095211
Screenshot bazonline: Gib mal „Blabla“ in die Volltextsuche ein

Dazu gesellen sich noch die üblichen technischen Probleme. Die BAZ lässt den fehlenden Zugriff aufs Zeitungsarchiv entschuldigen, die Leserbriefe können nicht mehr per Internetformular eingereicht werden und für den SMS Newsletter kann man sich noch nicht anmelden. Der Tagi hat Error404s in der Sidebar und natürlich auch Blabla Artikel genau so wie die Bernerzeitung.

Ich staune über die Launchkommunikation. Seit Wochen lesen wir „Vorschaubericht“ der Information Architects, im bernetblog, im Tagi selbst – 2 Tage vor dem Launch, im Oktober schon auf persoenlich.com. Aber am Launchtag ist am Morgen eine einzige News via Google News zu finden. Keine Leadartikel auf den Portalen und Pressemitteilungen habe ich auch noch keine gefunden.

Vielleicht, kommt das alles erst morgen in den Zeitungen. Und drum hat man ja noch einen Tag Zeit, alle diese Fehler zu fixen, bevor es die Leser merken…

PS:

Mein Kommentar ist noch immer nicht online. Eigentlich noch gar keiner.

PPS:

Da ist ja fast ein Liveblogging der Leidensgeschichte auf www.medienlese.com

5 Kommentare

  1. Pingback: Newsnetz, Blogs und Blablabla « Journalistenschredder…

  2. McCain Fan sagt

    Optisch gefaellt mir der neue auftritt des tagi. die startseite ist jedoch sehr ueberladen.
    dass die wegen kommentieren eine heidenangst um was auch immer haben, war schon frueher so. In einigen faellen wurde die kooemntarfunktion kommentarlos gekappt.

    jetzt scheint das kommentieren entgueltig weg zu sein.
    das soll web 2.0 sein? ein eingebettetes you-tube filmli machts noch nicht ’social‘ oder web 2.0

    drei grosse zeitungen haben nun einen gemeinsamen web auftritt und gemeinsame redaktion. eine redaktion, die nachweisbar zensurierte.

    fast schon chinesische zustaende.

  3. Kommentare funktionieren nicht – Leute, wenn Ihr wüsst, was derzeit noch alles nicht funktioniert. Oder immer mal wieder nicht mehr funktioniert. Aber das ist halt so in der Startphase eines derart komplexen Systems. Der richtige Test läuft live und online. Aber gemessen an der noch vor uns liegenden Zeit ist das alles ein Klacks. Also etwas Geduld. Es ist bei baz.online noch längst nicht alles online, was wir uns vorgestellt haben.

    E-Paper nicht kostenlos – die Inhalte der Zeitung auf Papier werden nicht verschenkt. Warum sollte man das auch tun, wenn die Werbeeinnahmen dereit nicht 100% der Produktionskosten decken? Sollen die Verleger für die Differenz Zwangsgebühren verlangen wie SFDRS? Wer für Papier nicht zahlen will, für den haben wir NEWS im Kasten.

  4. Kommentare funktionieren nicht – Leute, wenn Ihr wüsst, was derzeit noch alles nicht funktioniert. Oder immer mal wieder nicht mehr funktioniert. Aber das ist halt so in der Startphase eines derart komplexen Systems. Der richtige Test läuft live und online. Aber gemessen an der noch vor uns liegenden Zeit ist das alles ein Klacks. Also etwas Geduld. Es ist bei baz.online noch längst nicht alles online, was wir uns vorgestellt haben.

    E-Paper nicht kostenlos – die Inhalte der Zeitung auf Papier werden nicht verschenkt. Warum sollte man das auch tun, wenn die Werbeeinnahmen derzeit nicht 100% der Produktionskosten decken? Sollen die Verleger für die Differenz Zwangsgebühren verlangen wie SFDRS? Wer für Papier nicht zahlen will, für den haben wir NEWS im Kasten.

  5. @Manfred Messmer: Ich habe noch immer die romantische Vorstellung, das ein e-paper nur einen Bruchteil der Produktions- und Distributionskosten im Vergleich zum Print hat. Das e-paper vergrössert die Reichweite und hat ja auch Werbung drin (welche mit grösserer Reichweite auch Einnahmen gibt). Den Discount der Baz auf die Onlineausgabe (CHF 280 anstelle CHF360).finde ich mit zuwenig Anreiz verbunden.

    Ein Mittelweg für die Verleger könnte sein, wenigstens ihre Gratiszeitungen als e-paper anzubieten, wie es Cash Daily auch macht.

Kommentare sind geschlossen.