Blogging, Medien, Netzkultur

Du bist kein Blogger – Der Blog ist tot. Denn alle Internetuser bloggen inzwischen…

…sagt zumindest Thomas Zaugg im neuen Tagi Magazin. Er ist jetzt auch ein Blogger. Obwohl er eben keiner ist. Ein weiterer kompetenter, subtil recherchierter Artikel aus der Blogbashing Serie in den Qualtitäts-Medienhäusern.

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Originalillustration im Tag Magazin Artikel. Bild: Julia Marti – Quelle: dasmagazin.ch 

Da es unter Umständen lange geht, bis mein Kommentar auf dem Tagi Magazin freigeschaltet wird, veröffentliche ich meine Stellungnahme schon mal hier:

Mein Kommentar im Tagi Magazin am 20.11.2008 um 06:58:

Thomas Zaugg beschreibt sehr treffend DAS typische Phänomen im Web 2.0: User-generated Content. Oder abschätzig das „Mitmach-Web“ genannt. Es ist tatsächlich unübersehbar. Flickr, Facebook und Youtube sind bei Herr und Frau Schweizer angekommen. Und sie häufen Freunde an wie nie zu vor. Zumindest in Facebook. Und sie belegen Speicherplatz wie nie zuvor. Zumindest mit Digital Fotos und Handy Videos, die dann den Weg auf Flickr, Youtube, Tumbl-Blogs und nochmals Facebook finden.

Dies pauschal als Bloggen zu bezeichnen ist falsch. „Veröffentlichen von User-generated Content“ tönt etwas ungelenk, wäre aber präzis.

An dieser Stelle würde ich von einem „Bezahl-Journalisten“ eine subtilere Unterscheidung und Analyse wünschen. Microblogs, Tumblblogs, Foto Communities, Social Networks, Musik Microblogs unterscheiden sich in einem Punkt ganz wesentlich. In einem Blog SCHREIBE ich einen Inhalt ganz bewusst zur Publikation, veröffentliche diesen und suche den Dialog. Alle anderen Formen sind Zufalls- oder Schnappschussformen. Ein Bild, ein Link, ein Gedanke, ein Zitat, ein Foto, eine Statusbemerkung ein Link auf ein Youtube Video sind spontan im Bruchteil einer Sekunde erstellt und verlinkt. Sie wollen nur noch etwas Speicherplatz und eine Sekunde Aufmerksamkeit, bevor sie in der Masse der Tweets, Friendfeeds untergehen. Sie haben Gültigkeit und Relevanz zu der Zeit, zu der sie veröffentlicht wurden. Der Blogbeitrag hat den Anspruch ein Thema über Tage, Wochen oder auch Monate zu führen, in Google gefunden zu werden, die Diskussion fort zu führen.

Die Illustration ist daher sehr treffend gewählt. Thomas Zaugg ist kein Blogger. Oder hat gerade einen neuen Bloggertypen erfunden. Den „Facebook-Blogger“.

Kommentar Ende.

Das bringt mich auf die Idee für einen weiteren Bloggertypen Button. FACEBOOKBLOGGER.

8 Kommentare

  1. Du gibst genau die richtigen Antworten auf Fragen wie: „Was soll überhaupt dieses komische Twitter?“ „Was soll ich blos in Facebook?“

    Sehr schöner Post.

  2. Pingback: Let’s Face It « Journalistenschredder…

  3. Pingback: Steini’s Garden » Blog Archive » Web der Partizipation

  4. oh, die famose illustration war ja auch noch, genau. man beachte das blogger logo auf dem arm des abgebildeten berserkers. auch hier weiss man nicht so genau, ob die die relevanz dieser plattform überhaupt kennen oder auch hier einfach mal drüberbrünzeln, als sei das nur eine kloake von katzenblogs. (dabei ist es der grösste blogdienst und v.a. der in diktaturen am meisten benutzte dienst).

  5. (NB: @bugsierer: wobei über die blogger.com-blogs nerve ich mich ja auch. weil sie von der usability her unter aller *** sind. und somit diskussionen abwürgen – man kommentiert ungerne und deshalb selten in blogger-blogs.)

  6. @ sam: stimmt, die usability ist in einigen details ungenügend (in andern dafür besser als bei wordpress) und v.a. der zwang, sich bei blogger ein profil anlegen zu müssen, damit man kommentieren kann, ist doch reichlich überholt. ich hab das bei mir so gelöst, dass ich anonymes kommentieren erlaube und so braucht man sich nirgendwo anzumelden.

  7. Du sprichst mir aus dem Herzen! ;o)

    Heute bezeichnet sich wirklich jeder schon als Blogger, der mal auch nur annähernd mit dem „Mitmachweb“ in Kontakt gekommen ist oder der vor Monaten mal einen Account bei blogger.com eröffnet hat, ohne ihn seither ein zweites Mal zu benutzen.

  8. Die Berufsbezeichnung Blogger ist nicht geschützt und somit für alle offen, die ihn verwenden wollen. In dem Sinn: wir „Blogger“ sollten uns endlich von diesen Begriffen lösen (hab ich schon vor Jahren gesagt).

    Oder swissblogpress erwecken – haha!!

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