Blogging, Medien

Warum Blogger Bashing populär aber nicht mehr zeitgemäss ist

Blogger-Bashing ist ein hinreichlich bekanntes Phänomen, das eigentlich nur Blogger und Journalisten interessiert. Und die Sonntagszeitung. Aber doch nicht richtig.

Populär für Journalisten

Für die Journalisten ist es „das grosse Aufatmen“. Die Revolution durch die Blogoshpäre ist doch nicht eingetroffen (wie es die Journalisten selbst hoch stilisiert haben). Das tut gut und gibt einem eine gewisse Daseinsberechtigung. Und drum ist das jetzt ein ganz wichtiges Thema, das die ganze Schweiz in der Sonntagszeitung interessiert, obwohl angeblich nur die Blogger Blogger lesen. 

Populär für Blogger

Für die mittelmässigen Mainstream Blogger wie mich, sind solche Artikel gute Gelegenheiten, sich künstlich aufzuregen und Kraftausdrücke in die Blog-Headline zu schreiben. Das gibt viel Aufmerksamkeit und Klicks. Das wollen wir Blogger ja genau wie die alte Tante und ihre Verwandten: die guten Auflage- und Leserzahlen.

Zudem stärken solche unnötigen Artikel das Zusammengehörigkeitsgefühl der Blogger. Wir armen kleinen privaten Bloggerwürstchen gegen die omnipräsenten bösen börsenkotierten Medienkonzerne. Dann tun wir uns auf der bösen Twitterplattform gegenseitig bemitleiden. Gibt ein bisschen 68er Feeling am Feierabend oder nicht?

Schlussendlich haben die nicht-kommerziellen Blogger und klassischen Journalisten ein symbiotisches Verhältnis. Die Blogger schreiben genauso über aktuelle (Mainstream) Themen, die die Mehrheit der Printmedien aufgenommen haben. Und Journalisten bedienen sich bei der Recherche gerne bei den Blogs (wobei sie Quellenangaben gerne vermeiden). Besonders anfällig sind Multimedia Bünde in der Sonntagspresse. Da ist es schwierig, sich einmal wöchentlich mit einem Primeur oder mit „nicht bereits seit Tagen auf dem Web kursierendem“ zu positionieren. In einem Artikel danach mit „Die Blogs sind nur das Echo der klassischen Medien“ zu übertiteln ist vielleicht etwas anmassend.

Blog als Kommunikationsinstrument auch für Zeitungsplattformen oder Journalisten?

Zwischenzeitlich ist David Bauers Replik auf die Reaktionen in der Bloggerszene in der Sonntagszeitung erschienen. Eine weitgehend gehaltlose Spalte, die ausser ihm und einigen Bloggern tatsächlich niemanden interessiert. Wenige und nur schwer nachvollziehbare Fakten für nicht Eingeweihte. Sehr persönlich gefärbt und unsachlich.

Wir Blogger würden gerne eine Diskussion führen. Vielleicht sollten wir Leserbriefe an die SoZ schreiben oder wir führen den Dialog in Form „Sonntagszeitung schreibt –> Blogosphäre regt sich –> Sonntagszeitung schreibt–> Blogosphäre mauschelt etwas“ in wöchentlicher Kadenz.  Hätte die Sonntagszeitung ein Blog oder liesse Kommentare zu, würde vielleicht ein Dialog entstehen. Manfred Messmer der BAZ lässt es sich jeweils nicht nehmen, höchstpersönlich Kommentare in den Blogs zu hinterlassen, Stellung zu nehmen, Falsches anzukreiden. Das ist echter Dialog.

Noch besser würde sich das private (über mich) Blog eignen, um eine ernsthafte Diskussion zu führen oder Themen (mal abseits von der Redaktion) zu besetzen. Aber eben: Privates Bloggen und Dialog kostet viel Zeit und bringt kein Geld…

Sinnvoller Einsatz von Blogs

Drum schreibe ich es diese Woche noch einmal:

In den redaktionellen Teil einer Zeitung gehören reine Fakten. Persönliche Meinungen eines Autors (die auch einmal von der Redaktion abweichen können) gehören in ein Blog. Da können auch Diskussionen geführt werden. Aber das ist leider wesentlich aufwändiger und mühsamer, als vom sonntäglichen (Presse) Altar herunter zu predigen.

Mich kotzt, scheisst, widert der ganze „Wir Journalisten – Ihr Blogger“ – Mist an. Diese Diskussion ist nicht mehr zeitgemäss, da Blogger Journalisten werden und Journalisten für Medienblogs schreiben und sich der Bloghype langsam konzentriert und kommerzialisiert und durch Microblogs selbst kanibalisiert.

Parallel zur Blogger-Journi Diskussion verändert sich die Welt im Internet. Social Networks, Microblogs und Videoplattformen verändern das Medienverhalten nachhaltig. Die NY Times geht mit einem Channel auf Facebook. Obama führt einen ganzen halben Wahlkampf im Internet und die Medien führen einen grossen Teil der Berichterstattung nicht mehr auf dem Papier.

Schlussendlich sind es die Inhalte, die User zu Stammlesern machen: Banale, qualitativ hochstehende, innovative. Sowohl von privaten als auch kommerziellen Anbietern. Die Leser und der Markt werden entscheiden. Ob Papier, ob Blog oder Newsportal ist schlussendlich einerlei. Konsumiert am Firmenrechner, auf dem privaten Laptop oder dem Handy. Leserzahlen und Klickraten werden es zeigen. Und es wird eine Mischung zwischen all dem sein. Die Frage ist, welcher Anteil davon von kommerziellen Anbietern abgedeckt werden wird.

Statt Blog Bashing zu betreiben, würde es der Sonntagszeitung gut anstehen, die Zeit in die eigene Medienstrategie zu investieren und zu überdenken, ob persönliche gefärbte Artikel nicht in einem Blog besser aufgehoben wären, als im papierenen „Qualitätsjournalismus“-Umfeld.

3 Kommentare

  1. ich bin erstaunt über das verhalten von david bauer. anstatt sich seinem neuen job zu widmen und den multimedia teil bei der sz ein bisschen mit fachkompetenz aufzubauen verwirrt er sich in zeugs das sicher keiner der abonnenten wirklich lesen will.

  2. Pingback: David Bauer und die Diktatur der Masse « Journalistenschredder…

  3. Ich glaube der Herr ist einfach etwas gefrustet. Denn sein letzter Eintrag auf seiner Website datiert vom 08.02.2008. Vielleicht wollte ihn einfach niemand lesen?

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