Die neue Facebook Startseite ist Scheisse. – Aber zeitgemäss interpretiert.

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Facebook lanciert ein Redesign der Startseite. Facebook imitiert Twitter. Und konvertiert damit zu echtem Microblogging. Das ist ein Nischenbeitrag. Wer weder Twitter noch Facebook benutzt wird sich fragen, wovon der Pixelfreund überhaupt spricht.

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Zentrales Element der Facebook Startseite ist für die ungewohnten User dabei die Frage, die oben an der Box steht.

Die Frage war früher “Was machst Du gerade?” und war somit eine Twitter Kopie von “What are you doing?”. Damit wurde der Kult um die Facebook Statusmeldung begründet.

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Ich habe die Einträge meiner Facebook-Freunde geliebt, gehasst, belächelt, verflucht aber immer gelesen. Und habe das als genialen Schachzug von Facebook erachtet. Die Adaption des Twitter-Prinzip auf Facebook, aber wohl dosiert auf eben eine Statusmeldung. Sogar XING hat das Feature der Statusmeldung in ihr Netzwerk Kultur erfolgreich übernommen.

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Neu ist die Frage “Woran denkst Du gerade?” und diese ist einerseits fundamental anders. Sie bewirkt mittelfristig eine andere Handhabung der Funktion, was mir eigentlich Wurscht ist. Andererseits wurde die Funktion auch technisch verändert. Sie ist nicht mehr länger eine statische Statusangabe die bleibt, sondern ist in eine Echtzeit-Abfrage ähnlich einem Chat geändert worden.

Komplett neue Nutzungsgewohnheiten

Damit werden die User animiert, schneller und öfter zu aktualisieren und zu antworten. Es entsteht eine komplett andere Handhabung und Anwendungskultur. Nicht dass das grundlegend schlecht wäre. Aber bislang war das die Domäne von Twitter oder identi.ca. In Echtzeit zu posten (twittern – es gibt schon ein Verb dafür), Bilder oder Links zu versenden. Oder von Brightkite oder everytrail, die die Geolocation zu publizieren.

Zwar bin ich kein Facebook Enthusiast, aber ich hatte Facebook zwischenzeitlich einen Nutzen abgewinnen können. Nämlich weil die Startseite mich über die wichtigsten Änderungen in meinem Netzwerk informiert hatte. Jetzt potenzieren sich die ehemaligen Statusmeldungen zu einem “Noise”, der nicht mehr überschaubar ist.

Facebook went Twitter

Wobei ich in Twitter gerade den Noise liebe, in Facebook (wie auch in XING) hingegen das überschaubare Treiben meiner Gefolgschaft schätzte. Was für mich definitiv nicht funktioniert, ist die selbe Frequenz von 400+ Followern in Twitter und jetzt auch noch von  200+ Freunden in Facebook – in Echtzeit.

Wenn ich nun entscheiden muss, was zwangsläufig der Fall sein werden wird, dann stirbt für mich Facebook in der täglichen Nutzung, weil Twitter schlussendlich eine andere Qualität der Follower bietet. Nämlich Gleichgesinnte. Derweil in Facebook einfach das gesamte Vorleben mit-zwitschert.

Einerseits bin ich froh, dass nun alle Hobby-Twitterer die seichten Ergüsse nun gleich auf Facebook behalten können, andererseits ist es aufgrund der schieren Marktmacht und Verbreitung von Facebook natürlich eine Gefahr für Twitter. Twitter als Nischenangebot wird es aufgrund der Facebook Konkurrenz wesentlich schwieriger haben kommerziell verwertbar zu werden. Andererseits bleibt die Qualität oder der ursprüngliche Gedanke und das Anwendungsgebiet wesentlich fokussierter. Es wird wieder attraktiver, ein echter Twitterer zu sein.

Facebook ist clever

Facebook schafft es, binnen kürzester Zeit die Startseite mehrmals umzugestalten. Nur geht es nicht um die Gestaltung. Sie erkennen fundamentale Veränderungen in der Nutzung von Kleinstinhalten und treffen und/oder gestalten den Zeitgeist. Das ist respektabel. Den Zeitgeist innert kürzester Kadenzen zu erkennen und konsequenterweise zu ändern und zu adaptieren. Die User werden es annehmen und es wird sich in der breiten Masse ein “Twittergefühl” ausbreiten.

Für einmal orakle ich. Mit diesen Massnahmen werden sich Facebook und Twitter mehr entfernen als annähern. Das gilt auch für deren Communities. Facebook gewinnt an Masse in punkto Quantität und Twitter gewinnt an Masse in punkto Qualität. Und somit entfernen sich die Plattformen trotz technischer Integratrion. Bye bye Facebook.

 

UPDATE

Hier kommen die ersten Erfahrungen und Reaktionen.

Autor: Ralph

Ralph Hutter. Schreibt über Web 2.0 Trends, Fotografie, Netzkultur, geeky Gadgets, iPhone Apps und neue Medien.