Allgemein, Kunst

Im Gespräch mit Hans Erni

Ralph Hutter im Gespräch mit Hans Erni

Hans Erni wird heute geehrt. Die Gesellschaft Schweiz-Russland GSR ehrt Hans Erni für seine Verdienste zur Völkerverständigung und Kommunikation über alle Grenzen. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, über eine Stunde mit Hans Erni zu sprechen.

Ralph Hutter im Gespräch mit Hans Erni
Ralph im Gespräch mit Hans Erni – Foto von Markus Baumgartner / http://flurakus.ch/

Jürg Vollmer hat ein einmaliges Experiment gestartet. Er hat interessierten Bloggern, Fotografen und Medienschaffenden die Gelegenheit gegeben, Hans Erni persönlich zu treffen und (mehr oder minder) live über den Anlass in den neuen Medien zu berichten. Zur Vorbereitung hatten wir Hans Erni für Foto- und Videoportraits in seinem Atelier getroffen. An jenem Anlass hatte ich kaum Gelegenheit persönliche Fragen zu stellen, aber heute umso mehr.

Ich habe Hans Erni gefragt, ob er denn auch fotografiert habe, oder ob seine Liebe ausschliesslich dem Pinsel und der Leinwand gegolten hätte. Er habe viele Kameras gekauft meinte er, aber allesamt weiter verschenkt. Fotos habe er früher gemacht. Dächer und Kuppeln in Florenz. Gesehen habe er die Bilder aber nie. Er habe sich die Bilder allerdings eingeprägt.

In seinem Aktivdienst war Hans Erni als Motorfahrer im Munitionsnachschub eingeteilt. Allerdings habe er sich daneben auch um die Tarnung der Munitionsdepots gekümmert. Er habe die Mauern mit Felsen bemalt. Dies sei positiv beachtet worden, sodass er darauf in verschiedenen Gebieten der Schweiz weitere Gebäude bemalt habe. Eigentlich wollte ich ihn fragen, wo genau sich die Anlagen befinden So hätten wir eine Gelegenheit gehabt einen Erni in „freier Natur“ zu bestaunen. Das wäre ein Kunst-Tweetup der speziellen Art…

Hans Erni erklärt die Entstehung des verbotenen Plakats

Das Gespräch war einmalig. Nicht nur Ernsthaftes und Intellektuelles. Wir haben gelacht, Anekdoten aus dem Leben von Hans Erni gehört und eben auch sehr persönliches verraten bekommen. Er hat uns die Enstehung des „verbotenen“ Plakates erläutert und die Einwände der damaligen Kunstkritiker verschmitzt aufgezählt. Die Schweiz sei zu gross dargestellt und der Strick auf dem Plakat erwürge die Schweiz seien die hauptsächliche Kritik gewesen. Gut daneben sei er als Landesverräter und Kommunist abgestempelt worden.

Er jetzt begreife ich, warum Hans Erni ein eigenes Museum hat. Über Jahre hinweg wurde er wegen dieses Plakates von den Landesmuseen verschmäht und schlichterdings nicht ausgestellt. Da ist ein eigenes Museum ein brillianter Schachzug.

Zwischendurch wurde unser Gespräch unterbrochen. Ein Bruder des Klosters Einsiedeln hatte nach einem Autogramm gefragt. Hans Erni nimmt sich die Zeit, malt in ein Moleskine Büchlein des Mönchs (gleich hinter Roger Federers Autogramm) und versieht es mit einer persönlichen Widmung. Bereits beim Besuch in seinem Atelier aber auch an diesem Nachmittag ist mir aufgefallen, wie offen  er auf fremde Menschen zugeht. Auch mit 101 Jahren hat er die Neugier an neuen Begegnungen nicht verloren. Keine Künstler Allüren sondern einfach ein offener Geist.

Die Ehrung

Professor Georg Kreis hielt die Laudatio. Ich hatte schon eine langatmige Rede vermutet, bevor Georg Kreis aber frei von seiner Redevorbereitung berichtete und eindrücklich die lange Liste an Grossaufträgen und der indirekten Rehabilitation vortrug.

hans erni dankesrede

Hans Erni hält eine flammende Dankesrede und gibt weitere Einblicke in die Motivation für sein Engagement in die Schweizerisch-Russischen Beziehungen.

Ehrung Hans Erni - Jürg Vollmer mit Originalstrick

Jürg ist es gelungen, die Ehrung würdevoll und knapp abzuschliessen, den Original Strick des Plakats von Hans Erni in den Händen haltend. Sinngemäss: „Dies ist der Originalstrick, der Hans Erni als Vorlage diente. Der grosse Strick symbolisierte die Sowjetunion, der kleine Strick die Schweiz. Der kleine Strick ist Hans Erni verloren gegangen. Vielleicht hatte (hätte) er sich tatsächlich gewünscht, die Schweiz wäre ihm zeitweise verloren gegangen..“

hans erni vor plakat schweiz russland

Zum Schluss hat Hans Erni vor dem schicksalshaften Plakat für die Fotografen posiert. Der Keystone Fotograf hat sich professionell vordedrängt Hans und Doris Erni professionell vor dem Bild in Szene gesetzt und hat sich vom Acker gemacht. Im Gegensatz zu ihm hat uns einer der bedeutendsten Künstler der Schweiz ein paar Stunden persönlich im seinem Atelier empfangen und uns in einem ganz persönlichen Gespräch auch Einblicke in persönliche Ergebnisse gegeben.

Wenn ich heute Abend die Berichterstattung vergleichen muss. Keystone Fotograf und Tagi Artikel vs. Initiative von Maiakinfo und Blogger Berichterstattung: Da kommt auf einmal Qualitäts-Content und echter Einblick von Bloggern, während der Tagi Agenturmeldungen mit alten Keystone Bildern veröffentlicht. Das ist ein Plädoyer für Social Media.

The Making of

Weitere Blogbeiträge und Fotos der Bloggerfreunde

Barbara, Yves, Bastian und Markus waren mit mir zusammen als Vertreter der Bloggerschaft vor Ort. Daneben ein freier Journalist, ein Autor eines Hans Erni Buches und zum Schluss der Ehrung hat sich noch ein Keystone Fotograf vorgedrängt, dessen Bild es aber leider nicht in den Tagi Artikel geschafft hat.

Flickr Strecke – Im Gespräch mit Hans Erni

9 Kommentare

  1. Werbepause, als kann ich den Comment posten. :-)
    Echt toller Beitrag, tolle Bilder von euch allen, tolle Aktion von Jürg.

    Ich muss zugeben, Hans Erni habe ich vorher nicht wirklich gekannt, da muss ich wohl mal ein bisschen Nacharbeit leisten. Das Gespräch muss wirklich spannend gewesen sein. Hat er sich auch zu Web 2.0 geäussert? Er wird sich ja sicher gewundert haben, wo ihr diese Sachen schreiben werdet.

  2. Ralph sagt

    @digichr Während des Atelierbesuchs haben wir Hans Erni nach der Internetnutzung befragt. Er selbst braucht Computer und Internet nicht. Aber seine Frau. Für die Organisation der Anlässe und Auktionen. Aber er selbst sehe das Internet als grossartige Technologie für die länderübergreifende Vernetzung der Menschen und als Antrieb für den Dialog. Er hat das Internet also wirklich verstanden!

  3. Pingback: Hans Erni und wilde freilebende Blogger « michrueg – (b)logbuch

  4. klingt definitiv nach einem anregenden Anlass, wäre ich nicht an der rp10 gewesen…, man kann nicht alles haben, aber zum Glück gibt es da die lebhaften Blogposts, die einem wenigstens etwas Einblicke in das Verpasste bieten können…;-)

  5. Pingback: Gesellschaft Schweiz-Russland ehrt Hans Erni | maiak » The Newsroom of Eastern Europe

  6. Herzlichen Dank für Deinen spannenden Bericht, den ich natürlich in meiner Zusammenfassung verlinkt habe.

    Besonders interessant finde ich Deinen Fokus auf das unbekannte Detail des „Tarn-Malers“ Hans Erni im Zweiten Weltkrieg und auf das offene Gespräch, das der 101jährige Künstler mit den Bloggern führte.

    Hans Erni hat sich am späten Abend noch einmal herzlich bedankt für die ersten Weblog-Reportagen, die ich ihm auf dem MacBook zeigte. Und er war begeistert von der Geschwindigkeit, mit der „diese jungen Internet-Reporter“ ihre Texte und Bilder publizieren!

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