Fotografie

10 Lomo Regeln – Erfahrungsbericht nach einer Woche mit der Lomo

My Lomo is dead

Die erste Woche mit der neuen Lomo hat mich stante pede wieder in die Welt der analogen Fotografie befördert. Die schmerzlichen Erkenntnisse habe ich heute spontan in Form von 10 Regeln vertwittert.

My Lomo is dead

Bild „My Lomo is dead“ Quelle: Sugu

  1. Regel Nummer 1: Take your Lomo everywhere you go.
  2. Regel Nummer 2: Der Film hat 24 oder 36 Bilder.
  3. Regel Nummer 3: Du musst schon Filme mitnehmen.
  4. Regel Nummer 4: 100 ASA sind nicht 400 ASA.
  5. Regel Nummer 5: Der Schnappschuss ist immer das Bild Nummer 37. Theoretisch.
  6. Regel Nummer 6: Du schaffst es nie, 36 Fotos konzeptionell durchzuhalten.
  7. Regel Nummer 7: Der tollste Film klemmt, transportiert falsch oder gar nicht.
  8. Regel Nummer 8: Die beiden Regler gehören nach unten. Auch wenn die Jackentasche anders einstellt.
  9. Regel Nummer 9: Lomo ist cool.
  10. Regel Nummer 10: Gut ist die Lumix auch noch dabei.

Das tönt jetzt, als würde mich die analoge Fotografie ziemlich narren. Das Gegenteil ist der Fall. Trotz einigen Missgeschicken mit den ersten Filmen schätze ich die Erfahrungen sehr. Wer kann sich an die Zeit erinnern, in denen während 14 Tagen Urlaub im Süden zwei oder maximal drei 36er Filme „verschossen“ wurden? Entwickeln war teuer und wer wollte nach den Ferien schon über hundert Fotos durchblättern. Mühsam… Und bis diese dann den Weg in die kommentierten Fotoalben gefunden hatten; das dauerte nochmals Jahre.In diesen Zeiten habe ich fotografieren gelernt. Das einzelne Bild hatte seinen Wert und entsprechend habe ich mir Zeit genommen, den perfekten Moment, die perfekte Tageszeit, den perfekten Lichteinfall und den perfekten Bildausschnitt zu suchen. Lange davor war schon klar, dass die Bilder farbig oder schwarz-weiss werden und die Filmempfindlichkeit sich besser oder schlechter für einen Sommertag eignen würde. 36 Fotos in einer Woche. Und nur Sujets wurden geknipst, die auch ein Bild wert waren. Nicht zu vergessen ist die Spannung, mit der die Bilder ausgepackt wurden. Sind sie scharf geworden? Sind die Ergebnisse so geworden, wie sie es gemäss den Einstellungen angedacht waren?

Mehr analoges Handling mit der Digitalkamera

Diese Metaphern habe ich dank der Lomo neu entdeckt. Ich bin geneigt, diese vermehrt wieder während der Nutzung der digitalen Kameras anzuwenden. Nicht absolut, eher ansatzweise.

  • Weniger ist mehr – Nur Sujets knipsen, die es auch Wert sind.
  • Nicht 20 Bilder in Serie schiessen, sondern zwei und dafür genau durch den Sucher schauen und sich Zeit lassen, den richtigen Ausschnitt zu finden.
  • Nicht nachträglich Ausschnitte wählen.
  • Das Original zählt.
  • Sich zuerst Gedanken machen, was man überhaupt fotografieren will.
  • Vorbereitung ist alles.

Das passt irgendwie sehr gut zum aktuellen „Entschleunigungs-Trend“. Ehrlich gesagt stresst mich am meisten, meine 400 Bilder pro Event nach passenden Sujets zu durchsuchen, auszuwählen, nachzubearbeiten und schlussendlich doch nur 30 Fotos auszuwählen. Mit der neuen Geisteshaltund wirds hoffentlich einfacher.

Strikte analog

Ich bin wieder im analogen Fotofieber. Ab sofort werde ich mich wieder regelmässig mit analoger Fotografie auseinandersetzen. Mit Filmempfindlichkeit, Zeit, Blende und Schärfentiefe. Mit neuen Objektiven für die alte Kamera und dem Filmangebot in den Foto-Fachläden (welche Farbfilme und -formate gibts überhaupt noch?). Ich bin gespannt auf die ersten Resultate. Ab sofort sind wieder analoge Kameras mit in der Tasche.

Das beste aus beiden Welten

Trotz der alten Tugenden schätze ich die Vorzüge der Digitalfotografie. Sei es mit dem iPhone, der Lumix, der P-6000 oder der D90. Qualität, Speicherplatz aber vor allem die stetige Verfügbarkeit für Schnappschüsse sind diskussionslos Vorteile des technologischen Fortschritts. Aber auch der Beitrag an den „Citizm Journalism“ oder platter gesagt an den „User-generated-Content“ wären ohne die Verfügbarkeit der digitalen Fotografie nicht möglich. Diese persönliche, zeitnahe „Berichterstattung“ via Facebook, Dailybooth, Twitpics, Flickr und zunehmend auch in Videoformaten wäre gar nicht erst möglich. Und damit auch nicht die Kultur, in der triviale Fotografie einen grossen Stellenwert inne hat und derartige Beachtung findet.

In der Konsequenz bedeutet das für mich, dass ich defacto mit drei Kameras unterwegs bin. Einer digitalen, einer analogen und einer Handycam. Gute Gründe, meine alte Lomotasche beim Schneider etwas verstärken und restaurieren zu lassen. Und es heisst auch, den Foto-Workflow zu überdenken. Ich habe mich noch nicht entschieden. Analoge Fotos digitalisieren lassen, Negative archivieren, digitale Fotos sortieren, eine Auswahl zusammenstellen, Backup von Originalen erstellen und eine Auswahl (auf Flickr.com) veröffentlichen.

Ein elend langer Blogpost voller Gedanken. Und wo sind die Bilder? Sechs Filme warten auf Entwicklung. Zwei sind bei der Migros zum Abholen bereit. Einer hat sich in der Kamera aus den 50er Jahren verheddert, und was ist eigentlich mit dem Impossible Project?

Take your camera everywhere you go. Der Rest ergibt sich von alleine. Und hoffentlich auch meine träge Blogfrequenz letzthin.

Kategorie: Fotografie

von

Ralph Hutter. Digital Stuntman. Blogger. Twitter Aficionado. Digital Artist. Fotograf. Agile Product Manager. Dozent. Foodie. Geocacher.

3 Kommentare

  1. Heute werden in zwei Wochen Urlaub gerne mal 2000 Bilder geschossen. Da fällt mir immer wieder ein, dass ich 1988 auf einer 6 monatigen Reise 10 36er Dia Filme belichtet habe. Von den 360 Bildern sind dann ca. 270 auch was geworden.

    Hatte eine kleine Minox dabei.

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