The Smashing Pumpkins rocken Zürich. Ein Review.

Mein Konzerthighlight des Jahres 2011. Billy Corgan hat in intimem Rahmen im gut gefüllten Komplex 457 bewiesen, das der Geist der Smashing Pumpkins trotz der bewegten Vergangenheit noch immer lebt.

The Smashing Pumpkins - Konzert im Komplex 457 - Zürich

Volle Pulle, krachend laut einsteigen mit rotzig ungeschliffenem Rock. Binnen Sekunden gekonnt in die so typische filigran sphärische Dimension abdriften und mit nasaler Kopfstimme melodiös darüber singen – Das Geheimrezept funktioniert noch immer.

Super-straighte Drums – brilliant abgemischt – gepaart mit einer monoton-präzisen Rhytmus Gitarre bildeten einen klaren konzeptionellen Rahmen, der Billy Corgan alle erdenklichen Freiheiten lässt, um pure Gitarrensounds und wechselnde Effekte in Freestyle Manier darüberzuklatschen und exzessiv auszukosten.

In weiten Teilen scheint das Konzert spontan, aus dem Bauch und ungeplant in Jam-Session Manier gespielt, um dann binnen Sekundenbruchteilen in perfekt orchestrierten polyphonen Gitarrenpartituren zu münden, die sogar Queen erblassen lassen würden. Die Band funktioniert in allen Belangen.

Entgegen meiner Erwartung war das Konzert keine Reunion Veranstaltung. Kein Revival der erfolgreichen 90er. Und das macht die Smashing Pumpkins glaubwürdig. Sie haben die ganz grossen Hits clever umschifft, ohne dass diese gefehlt hätten. Die gefühlte Mischung mit brachialen Auszügen aus dem “Zeitgeist” Album abgewechselt mit zartem B-Side Groove von “Pisces Iscariot” und wenigen Songs mit klarem Grunge Anspruch wie sie aus “Siamese Dream” bekannt sind geben dem Combo Charakter. Einen Charakter der der erfolgreichen Vergangenheit wohl Rechnung trägt, sich treu bleibt aber sich nicht neu erfinden muss, sondern die unterschiedlichen Facetten gekonnt vermischt und zum Konzept erhebt.

Das war wieder einmal ein Konzert in der Liga der legendären Gigs von Skunk Anansie und Chris Cornell – beide damals im X-tra. Ganz im Vergleich zur grauenvollen Serie der ehemaligen Superstars, die im Hallenstadion (und auf Welttournee) noch ihre Best-of Scheiben und Merchandise Kram verbraten und ich für eine ordentliche Kritik noch in meinen eigenen Kommentarspalten ordentlich gebasht werde.

Für die Einsteiger in die Smashing Pumpkins Welt empfehle ich nach wie vor das Album “Adore” von 1998.

 Flickr Strecke – Ein paar wacklige Eindrücke aus dem Konzert

PS:
Vor der Zugabe gab es einen längeren Dialog mit dem Publikum. Der grosse Lacher folgte auf die Frage: “Are you guys in the European Union?”.

8 comments

  1. Sven

    Dieses Konzert kommt in meinem All-Time-Best Ranking unter den Konzerten an eine sehr hohe Stelle, grossartig!

  2. Stephan

    Auf den Punkt getroffen, genau so war’s! Neben Digitalism in der Maag war dies mein Konzert Highlight 2011, auch wenn “Ava Adore” nicht zum Einsatz kam.

  3. Andre

    Ich kann die positiven Kommentare hier nicht nachvollziehen. Es ist mir unerklärlich, wie die Fans der 1990er Erfolge derart verprellt werden können, indem nicht einmal Hits wie 1979, Disarm oder Bullet with Butterfly Wings gespielt wurden. Schade.

  4. Sven

    Da muss ich ganz ehrlich sein: Diese alten Hits sind grossartig aber ich habe sie so oft gehört dass ich sehr positiv überascht war dass sie die Hits eben nicht nochmals gespielt hat. Das würde für micht auch nicht zum Spirit dieser Band passen und auch nicht zu Alternative Rock im Allgemeinen.

  5. Andre

    Sven, wenn die Band nicht mehr die Fans mit den Songs bedient die für sie stehen, dann sollten sie sich am besten den Bandnamen ändern. Billy ist ohnehin noch der einzig übrig gebliebene von der Orginalbesetzung. Für mich (und einige andere) war das Konzert jedenfalls ein kompletter Reinfall, nicht nur wegen der Songauswahl sondern auch wegen der Stimmung, die einfach nicht aufgekommen ist.

  6. Sven

    Andre, du warst anscheinend nicht am selben Konzert. Alle Leute um mich herum schienen absolut begeistert zu sein. Die hardcore Fans wurden auch sehr wohl mit den richtigen Songs (aus SD, MCIS, PI) bedient während die “casual Fans” die Radiohits vermissten. Aus meiner Sicht würde ich argumentieren, dass die Radiohits eben genau nicht für diese Band stehen sondern der Fluch sind von dem sich die Band nie befreien konnte.

  7. Chrigu

    Ich denke, dass war ein Konzert für den Kopf, aber nicht für’s Herz oder den Bauch. Richtig Stimmung kam ja nur bei den rockigen songs wie Cherub oder Zero auf, ansonsten war’s nett zum zuhören. Billy ist wirklich ein grossartiger Musiker, aber sicher kein Entertainer. Er hat es ja offensichtlich auch nicht mehr nötig. So war die Setlist für mich (und auch sehr viele anderen um mich herum) absolut suboptimal. Zuhören kann ich zuhause, beim Konzert will ich abrocken und mitfühlen. Tonight tonight war z.B. grandios… aber eben zu wenig zu spät!

  8. Thomas

    Das war Smashing Pumpkins 2011. Für mich ein perfektes Konzerterlebnis. Nein, die Erwartungen wurden sogar bei weitem übertroffen! Unbekannte Songs, Albumtracks, wenige Singles, B-Sides… was will man als Fan mehr?

    @Andre und Nostalgiker: Corgan liess sich zwar schon immer von der Vergangenheit inspirieren. Was er macht, soll jedoch aktuell sein. Offensichtlich nimmt er für diesen Anspruch bewusst empfindliche Einbussen in Kauf. Man nennt das Authentizität. Und damit ist er einer der ganz wenigen, der per Definition wirklich so gennant Indie und Alternative ist, obwohl er gar nicht zu diesem Genre gehört.

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