Musik

Black Sabbath und Soundgarden – Rocktitanen im Hallenstadion

Black Sabbath in Concert, Zürich

Gestern abend im Hallenstadion haben sich zwei Titanen die Klinke in die Hand gegeben. Black Sabbath und Soundgarden. Zugegebenermassen; zwei Titanen unterschiedlicher Generationen.

Das hat sich auch in punkto demographischer Verteilung der Konzertbesucher manifestiert: Viele Väter mit verwaschenen, viel zu engen original T-Shirts in Begleitung von Kindern (mit brandneuen T-Shirts vom Merchandising Stand), langhaarige Mitfünfziger in Jeansgilets, junge Blacklabel Society Fans, ganze Familien ausgestattet mit PopCorn und Ohrstöpseln und die Grunge Fans aus den 90ern.

Black Sabbath in Concert, Zürich

Hauptsächlich haben wir den Gig wegen Soundgarden besucht. Und das ist gleichzeitig auch der Disclaimer für diesen Beitrag. Black Sabbath kenne ich vom Jugendtreff im Pfarreiheim. Black Sabbath und Iron Maiden haben die „krassen Heavy Jungs“ gehört. Die anderen Foreigner, Scorpions und AC/DC. Und dann gab es später diejenigen, welche Gun’s’s and Roses und aufkommenden „Hardrock“ Bands favorisierten. Rockmusik-technisch wurde ich erst in den 90ern richtig sozialisiert. Pearl Jam, Soundgarden, Nirvana, Faith no More, Stone Temple Pilots, Rage against the Machine. Wie auch immer man diese ein ein Genre verpacken möchte; Black Sabbath, Led Zeppelin und Konsorten waren die geistigen Väter von allen.

Das führt direkt zu meiner Perspektive des gestrigen Gigs. Als regelmässiger Konzertgänger von Chris Cornell hat mich die Soundkulisse enttäuscht. Schwaches PA, schlecht abgemischt und viel zu leise konnten Soundgarden viele Besucher gar nicht erreichen. Trotz brillianter Playlist und sympathischen Ansagen (Wer sitzt während eine WM-Matches mit Schweizer Beteiligung schon im Hallenstadion?).

Dass Ozzy Osbourne nicht der hochbegabte Sänger ist, ist hinlänglich bekannt und darum geht es nicht. Die Band ist perfekt abgemischt und auch die Tribünenplätze werden einwandfrei beschallt. Binnen weniger Songs gelingt es Ozzy, seine alten Fans zu aktivieren. Dass seine Gestik eher an Geriatrie Turnübungen erinnert, scheint niemanden zu stören und so „raist das Publikum seine fucking Hands“ eben auf Kommando und schreit Ozzy, Ozzy… Aber das gehört zu einer etablierten Dramaturgie eines Rockkonzerts genauso, wie Menschen die Kartonplakate mit Songwünschen zu Konzerten von Bruce Springsteen mitbringen. Der Prince of Darkness kann

Dieser Beitrag wird nicht zur Konzertkritik. Einfach weil es mein erstes Black Sabbath Konzert war und ich Ozzy Osbourne besser aus den unsäglichen Homestory Soaps aus den USA kenne, als seine Alben. Trotzdem ein Fazit:

Die gute Klangqualität ist gnadenlos und verzeiht nichts. Und so singt Ozzy eben so wie er singt. Mal in tune, mal pitchy und mal ganz daneben. Die Band ist brilliant. Purer, ursprünglicher, gradliniger Rock. Rock’n’Roll Thunder! Das er nicht alle Töne trifft und in punkto Beweglichkeit gleich direkt hinter Keith Richards anknüpft, scheint niemanden zu stören und tut der Stimmung in der Halle auch keinen Abbruch.

Black Sabbath in Concert, Zürich

Gleichzeitig ist das Konzert ein Zeichen der Zeit. Die Rockpensionäre – so auch die Rolling Stones vor wenigen Wochen – sind offenbar nahe der „Abschiedstournee“. In Zeiten schwindender Lizenzeinnahmen von Plattenverkäufen werden die Live Events zunehmend kommerzialisiert und werden zur substanziellen Einnahmequelle. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Das Erlebnis im Vergleich zu meinen ersten Konzertbesuchen im Hallenstadion hat sich allerdings dramatisch verändert: Mit alkoholfreiem Bier auf Sitzplätzen; nach zwei Ticketkontrollen, Taschendurchsuchung und Lautsprecherdurchsagen bezüglich Rauchverhalten und verbotenen Gegenständen kann das Erlebnis nicht anknüpfen an die „richtigen“ Rockkonzerte.

Den alteingesessenen Fans hat es offenbar gefallen, ich habe Black Sabbath in einwandfreier Qualität erlebt, aber ich frage mich, wieviele „Reunions“, Best-of, Anniversary und Reunion Konzerte ich mir noch antun möchte. Ich werde künftig eher die kleinen Events wie (Chris Cornell) im Extra oder an der Baloise Session (Chris Cornell again) bevorzugen.

 

 

2 Kommentare

  1. Danke für den Bericht. Habe Soundgarden schon wieder verpasst. In dem Fall besteht ja noch Hoffnung, dass ich sie mal in bester Qualität als Haupt Act zu sehen kriege.

  2. Vielen Dank für Deinen Beitrag. Hat mich echt aufgestellt. Und muss Dir auch recht geben das diese Revial, Comeback Tours echt langsam sich im Sand verlaufen. Klar schaue ich mit Wehmut auf meine KINDHEIT zurück mit all den Gitarrengötter die heute von Justin Bieber und Co ersetzt wurden. JA wie auch immer – dann werde ich wohl wieder in meinen alten LP s schmöckern gehen.

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