Geek Things, Self-Tracking

Adieu Selbstvermessung. Fitbit is a bit Shit.

Fitbit is a bit Shit

Das liebe Kind hat das Fitbit Armband ursupiert. Dauerhaft. Und so kam es dazu:

Das Experiment hatte viel versprechend gestartet. Mehr Lebensqualität dank digitalem Fitnessbewusstsein versprechen die Health Tracking Apps und Devices. Ein Rückblick auf einen mehrmonatigen Selbstversuch mit dem Fitbit Armband dokumentiert meine Selbstvermessungsrealität. Auf die Minute genau. Wenn man es genau nimmt.

Fitbit-Flex

Minus

In meinem bruchstückhaften Online Dashboard sehe ich die Lücken, wann ich vergessen hatte in den Schlafmodus zu stellen. Ich sehe, wie oft ich nachts aufgestanden bin, um den Kleinen wieder in den Schlaf zu wiegen und wie lange ich wieder gebraucht habe, um selbst Schlaf zu finden.

Ich erhalte Notifikationsfeuerwerke auf allen Kanälen, wenn ich dank einer vibrationsreichen Motorradfahrt das Tagesziel schon morgens um halb Neun erreicht habe oder wenn die Batterie langsam zur Neige geht oder wenn Freunde mich zu ihren ebenfalls bruchstückhaften Dashboards einladen möchten.

Statt mehr Wohlgefühl habe ich eine weitere substanzielle Quelle digitaler Interruptionen geschaffen. Gerätemodus umschalten. Alle zwei Tage an das Aufladen denken. Täglich das Dashboard checken und die verpassten Aktivitäten und Schlafzeiten nacherfassen. Gewicht nachtragen und Mahlzeiten notieren, wobei das Nacherfassen mehr Durchhaltewillen erfordert, als das neuerdings konsequente Treppensteigen.

Und auch wenn alles einmal nacherfasst ist;  mein BMI und Körperfettgehalt brauchen irgendwie keine eigene Social Media Fan-Gemeinde.

Plus

Fairerweise muss ich sagen, ich kann diesem Trend auch positive Seiten abgewinnen. Das Fitbit Armband ist ein zeitgemässer Armschmuck mit Statement. Ein Emblem der Early-Adopter-Self-Tracker-Gadget-Geeks, das aussagt: Seht her, ich bin einer der gesundheitsbewussten Neo-Fitten und bevorzuge ein Gummi-Gadget noch vor einer fetten Fliegeruhr.

Definitiv schärft ein Fitness Tracking Gerät das Bewusstsein für das eigene Bewegungsverhalten und steigert die Motivation für mehr sportliche Betätigung.

Als unerwarteter Produktnutzen hat sich herausgestellt, dass sich das Fitbit Armband hervorragend eignet, um nächtens im Stockfinstern den Weg zum Klo zu beleuchten.

Fazit

Ich habe das Thema Selftracking nicht final aufgegeben. Aber ich werde mir Alternativen suchen, welche sich einfacher in meinen Alltag einbetten lassen. Schritte werde ich testweise mit der iPhone App Move messen. Meine Wanderungen zeichne ich auf mit GPX Motion oder Runkeeper auf und meine Motivation für mehr Bewegung sind noch immer Geocaching Aktivitäten und statt einer Fliegeruhr trage ich noch immer die zerkratzte Casio, welche ich in New York gekauft habe (aber diese Anekdote ist einen eigenen Blogpost wert).

PS:
Falls jemand Interesse an einem eigenen Selbstversuch hat: Ich verkaufe das Fitbit Armband Paket inkl. unbenutztem kleinen Ersatzarmband, für CHF 40.- (Neupreis CHF 119.-).

PPS:
Der Alternativ Titel zu diesem Blogpost war eigentlich: „BREAKING – Undokumentierter Produktnutzen von Fitnessarmbändern entdeckt“.

 

 

 

 

Kategorie: Geek Things, Self-Tracking

von

Ralph Hutter. Digital Stuntman. Blogger. Twitter Aficionado. Digital Artist. Fotograf. Agile Product Manager. Dozent. Foodie. Geocacher.

3 Kommentare

  1. Gigs sagt

    Haaalt, da ist einiges schief gelaufen. Zur Ehrrettung von Fitbit und co braucht es hier ein positives Statement (vielleicht hilft es dir, das Teil besser zu verkaufen).

    Hier ein paar Tipps, wie du es nicht hingeschmissen hättest:
    1. Kein Armband, sondern ein Hosentaschen/BH-Teil nehmen
    Es nützt dir nichts, das Teil am Arm zu tragen. sieht hässlich aus und ist so Fitness-protzig. Der wahre Fitbitter trägt sein Teil darunter. Es gibt zwei Exemplare: Zip mit Batterie hält 5 Monate oder One mit Akku, hält 5 Tage. Die scheinen mir auch genauer als die Armbänder, weil näher am Körper. Vermutlich ändere ich meine Meinung, sobald die Apple-Watch da ist, die wird das dann perfekt machen.

    2. keine Schlafaufzeichnung machen
    Die Nacht ist Tabu. Es ist ja bekannt, dass jede Messung das Resultat beeinflusst. Am Tag ist das gewollt: man läuft einen Umweg oder steigt eine Station früher aus dem Bus, nur um auf das Schrittziel zu kommen. Aber in der Nacht ist Elektronik tabu. Kein Ein- und ausschalten des Schlafmodus. Der Schlaf ist besser ohne Messung.
    Also: Am Abend das Fitbit neben den Schüsselbund legen und am Morgen wieder einstecken.

    3. Keine Essensaufzeichnung und dergleichen.
    Alles was du manuell eingeben musst stresst einfach nur. Das Schöne an den Messgerätlis ist, das sie die Daten selber ausfüllen. Warten wir einfach, bis die Apple-Watch automatisch aufzeichnet was wir essen. Übrigens für das Gewicht gibt es eine Fitbit- Waage, die nach dem draufstehen automatisch das Gewicht im Account speichert.

    4. Mit Freunden verbinden
    Das einzige was hier interessiert, ist die Vergleichstabelle, wer in den letzten 7 Tagen am meisten gelaufen ist. Das gibt Gesprächsstoff für das nächste Treffen und ist supermotivierend.

    5. Notification beschränken oder ausschalten
    Dann nerven sie dich auch nicht. Mich motivieren sie meistens.

    So das wars fast.

    PS
    Nein, ich arbeite nicht für Fitbit. Aber wenn sogar mein Frauchen tagsüber ein Fitbit Zip trägt (im BH, da merkt man es fast nicht) heisst das etwas. Sie ist sonst gegen jegliche Social Networks und zu viel Internet und so Gdgets. Aber sie schaut auch nach einem Jahr immer wieder mal, ob sie weiter gelaufen ist als ich. Also kann das nicht so schlecht sein.

    Hoffentlich nützt es jemandem.

    Gruss Gigs

  2. Beat sagt

    Fitbit Flex hat genau die beschriebenen Schwächen, Fitbit One im Hosensack does the trick (Achtung, Waschmaschine).

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